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Felix

Italien / Istrien 2019 Fazit

5 min read

Navigation ­čŚ║

Weder in Italien noch in Istrien sind die Fahrradwege ausreichend beschildert. Deshalb ist das Fahren auf einem Bahntrassenradweg (Parenzana oder Treviso-Ostiglia) umso angenehmer, weil man sich um die Navigation nicht kümmern muss. Für den Rest der Fahrt war "traditionelle" Navigation mit Landkarte / OsmAnd und normalen Auto-Wegweisern angesagt. In den Openstreetmap-Karten sind auch viele der offiziellen Radwege hinterlegt, so dass man diese für die Tagesplanung verwenden bzw. ihnen folgen kann. In der Touristeninformation in Porec habe ich eine hervorragende Karte mit Rennradstrecken in ganz Istrien erhalten (PDF-Download hier); diese konnte ich für die Fahrten im Hinterland gut verwenden.

Fahrrad ­čÜ▓

Die neue M├╝hle hat super durchgehalten; ich hatte keine Panne oder sonstige "Fehler". Selbst auf dem kroatischen Teil der Parenzana mit den groben Steinwegen lie├č sich das Fahrrad gut und sicher fahren. Im letzten Abschnitt der Parenzana hat das Schutzblech ein bisschen gest├Ârt, weil sich der Schlamm darin gesammelt und blockiert hat. Anschlie├čend bin ich zu 95% auf asphaltierten Wegen gefahren.

Unterkunft ­čĆĘ und Essen ­čŹ▓

Die Regionen, die ich besucht habe, sind gut erschlossen und z.T. touristisch gepr├Ągt. Es gibt gute Wege, ausreichend Unterk├╝nfte und z.T. Tourismus-B├╝ros.

Die Unterkunftssuche war unproblematisch, als Alleinreisender ist man gegen├╝ber einer Gruppe im Vorteil. Die Preisspanne f├╝r eine ├ťbernachtung war gro├č: Zwischen 150 Kuna (ca. 22 ÔéČ) in einer offiziellen Pension in Pazint bis zu 110 ÔéČ f├╝r ein schrottiges Hotelzimmer in Venedig. Es gab ├╝berall Dusche / WC auf dem Zimmer. Die Vor-Ort-Suche f├╝hrte meist zu besseren Ergebnissen als eine Reservierung ├╝ber booking.com. Highlights:

  • Agriturismo Albafiorita┬áin Latisana: 55 ÔéČ, das beste Fr├╝hst├╝ck der ganzen Reise
  • Lemechi Casa San Marco in Labin: 40 ÔéČ, ganz neu und direkt in der Altstadt, freundlicher Empfang
  • Locanda Tergola┬áin Camposampiero: 28 ÔéČ, Empfehlung der Dame aus dem Tourismus-B├╝ro, super Pizzeria

Meine Suche nach m├Âglichst "authentischen" Erfahrungen geht auch manchmal nach hinten los: Die zwei kroatischen Grill-Restaurants, in denen ich gegessen habe, habe ich ziemlich entt├Ąuscht verlassen. Aber das ist mein pers├Ânlicher Geschmack.

Fr├╝hst├╝ck wird weder in Italien noch in Kroatien gro├čgeschrieben. In Istrien gibt es zwar viele "Cafe-Bars", die aber kein Essen servieren. Hier habe ich mich h├Ąufiger beim B├Ącker oder im "Konzum" versorgt, auch f├╝r den Mittagssnack. In Italien haben viele Bars ein Cornetto, einige davon belegte Brote oder sogar ein Mittagsgericht, das ist praktisch.

Tourismus ­čôĚ

Die Fahrt war ziemlich abwechslungsreich: Vom Tourismus-Moloch Venedig ├╝ber das urbar gemachte Flachland Venetiens (ein bisschen wie in den Niederlanden, nur auf italienisch) in die kuk-Metropole Triest. Anschlie├čend durch einen Zipfel Sloweniens in die istrischen "Berge" und - mit Abstechern ins karge Hinterland - an die Adria. Schlie├člich durch den westlichen Teil Venetiens nach Verona.

In allen Regionen gab es interessante Sachen zu sehen, auch kleinere Attraktionen wie z.B. eine bestimmte Eisenbahnbr├╝cke auf der Parenzana oder ein altes Herrenhaus in Campiglia dei Berici. In Triest und in Verona habe ich jeweils einen (halben) Tag f├╝r Besichtigungen reserviert, sonst zwischendurch ab und zu mal angehalten. Die Abw├Ągung zwischen "Strecke machen" und "Tourismus" trifft jeder ein bisschen anders.

Venedig und Umgebung werde ich mit dem Fahrrad k├╝nftig meiden. In der Stadt selbst geht's sowieso nur zu Fu├č voran, Fahrrad schieben ist verboten und unpraktisch. Aber auch die ersten 15-20 km durch die Vororte und Mestre waren bl├Âd. Vielleicht gibt's irgendwo gute Radwege, ich habe sie nicht gefunden.

Die Fahrt auf der Parenzana-Trasse war wirklich toll. Der Weg schl├Ąngelt sich durch die Natur an den H├╝geln entlang, man bef├Ąhrt alte Tunnels und Br├╝cken und sieht die umfunktionierten ├Âsterreichischen Bahnhofs-H├Ąuschen.

An- und Abreise ­čÜé, Transfer ÔŤ┤

Die An- und Abreise mit der Bahn hat gut geklappt, ich habe alle Anschl├╝sse erreicht. Andernfalls w├Ąre ich ziemlich aufgeschmissen gewesen, weil es nicht so viele M├Âglichkeiten gibt, mit der Bahn so weite Strecken zur├╝ckzulegen. Ich war jeweils einen ganzen Tag unterwegs, das ist auch meine Grenze. Die Fahrt ├╝ber den Brenner ist landschaftlich interessant.

Die neuen ICEs haben ca. zehn Stellpl├Ątze f├╝r Fahrr├Ąder im ersten Waggon, und die T├╝r ist dort wohl auch etwas breiter. Die ICs haben manchmal Waggons mit Stellpl├Ątzen. Der ├ľBB-Zug (EC88/EC89) zwischen Verona und M├╝nchen hat sowohl ein Fahrradabteil als auch jeweils am Anfang und Ende eines Waggons einen "Haken" f├╝r ein Fahrrad; bl├Âd nur, wenn da vorher jemand sein Gep├Ąck hinstellt ­čśá. Da die wenigsten Fahrradfahrer viel Routine mit solchen Fernverkehrsz├╝gen haben, dauert das Ein-/Ausladen ein wenig und verursacht bei einigen Reisenden Stress ("Jochen, erst die Taschen! Wir m├╝ssen hier raus!").

Die F├Ąhrverbindung zwischen Pula und Venedig hat auch super geklappt; ich wei├č nicht, was ich bei einer Stornierung der ├ťberfahrt gemacht h├Ątte... Auch gut, dass ich 5 ÔéČ Aufschlag f├╝r ein "VIP-Ticket" bezahlt habe. Dadurch konnte ich in einem kleineren, besser gel├╝fteten Bereich mit guter Aussicht sitzen. Die Fahrt durch die Lagune und die Einfahrt nach Venedig waren spektakul├Ąr.

Felix

Ankunft zu Hause ­čĆá in D├╝sseldorf. Bahnfahrt war an sich OK, aber jetzt reicht's auch.

Felix

Basilica Santa Anastasia

Basilica Santa Anastasia

So einen Fu├čboden soll mein Vermieter auch mal verlegen lassen!

Felix

Etappe 11 Camposampiere - Verona

1 min read

133 km, flach, meist Asphalt aber auch ein paar Feldwege, schw├╝l 25┬░C

Die Ostigliana wird immer besser. Wochentags wird sie wohl gerne f├╝r Alltagsverkehr und den Morgenspaziergang genutzt. Das finde ich gut. Allerdings gibt es viele Stra├čenquerungen mit obligatorischen Sperren.

Irgendwo bei Longare biege ich Richtung S├╝den ab, auf einen sch├Ânen Radweg, der zwar durch Industriegebiete f├╝hrt, aber daf├╝r mindestens 20 Meter von der Landstra├če weg ist. ├ťber Sossano geht's dann Richtung Westen. Das ist auch keine "sch├Âne" Ecke, aber mit vielen kleinen Betrieben und gr├Â├čeren Bauernh├Âfen. Schlie├člich in der N├Ąhe der Etsch nach Verona, inklusive Extrarunde ├╝ber den Marco-Pantani-Radweg.

 

 

Felix

Gelato ­čŹŽ in Belfiore. Dann gibt's den Endspurt an der Etsch.

Felix

Mittagspause in Sossano. Dort gibt es sogar ein "velodromo", in dem ich noch ein paar Runden drehen k├Ânnte...

Felix

Felix

Brücke

Brücke

Das ist mal eine anst├Ąndige Br├╝cke f├╝r einen Fahrradweg! Geht ├╝ber den Fluss Brenta.

Felix

Etappe 10 Pula - Camposampiere

2 min read

43 km, flach, schw├╝l

Es klappt eigentlich alles wie am Schn├╝rchen. Zwar ist die Wartezeit in Pula nervig, aber die Passage ist gut und die Einfahrt nach Venedig spektakul├Ąr. Dort angekommen dauert es fast eine halbe Stunde, bis ich durch die Grenzkontrolle ­čŤâ bin. W├Ąhrend wir in der Schlange warten, quatsche ich mit┬á einer schw├Ąbischen Radlergruppe, die ab Brixen Alpe-Adria und Parenzana gefahren ist (mit Elektro-Mountainbikes). Guter O-Ton: "Da w├Ąhlt man gr├╝n, und dann wird der Weg durch den Wald ­čî│ asphaltiert."

In Venedig kommeich halbwegs legal und einfach zum Bahnhof, wo ich mich in einen Zug ­čÜâ nach Treviso setze. Treviso macht einen guten Eindruck: Viele gut erhaltene Monumente, Kirchen und Villen. Die Altstadt wirkt nicht so eingezw├Ąngt und sehr lebendig. Es sind viele Radfahrer unterwegs.

Die Pista Ciclabile Treviso-Ostiglia ist ein gr├╝ner Tunnel, der schnurgerade verl├Ąuft, z.T. auf Schotter, sp├Ąter auf Asphalt. Man muss ab und zu abbiegen, um die Sehensw├╝rdigkeiten zu w├╝rdigen (z.B. Rotonda in Badoere). Die Region lebt zwar, man merkt aber auch, dass sie kein "Power House" in Italien ist. Mein Etappenziel Camposampiere scheint vor allem von der Gesundheitsindustrie zu leben (es gibt ein riesiges Krankenhaus ­čĆą und mehrere Altersheime). Mit Projekten wie dem Radweg m├Âchte man ein kleines Pfl├Ąnzchen f├╝r nachhaltigen Tourismus setzen. Die Region wird es aber gegen andere Kandidaten schwer haben: Es gibt keinen Strand, die Auenlandschaft ist eher langweilig und m├╝ckenverseucht, es gibt wenige Kulturdenkm├Ąler mit Weltruhm.

Meine Unterkunft finde ich mit Hilfe der traditionellen Methode: Touri-Info ansteuern, der netten Dame mein Anliegen schildern, ein bisschen Small Talk halten und mit der passenden Adresse zum Quartier, heute eine "Locanda", in der auch der lokale Juve- Fan-Stammtisch ÔÜŻ tagt.

Abendessen in der Herberge, die eine beliebte Pizzeria ist. Ich bestelle eine Pizza ­čŹĽ mit frischem Spargel und wundere mich dar├╝ber, dass ich tats├Ąchlich eine Pizza mit frischem, wei├čen Spargel bekomme, der laut Chef auch regional sein soll. Es gibt in diesem "Kaff" auch eine Craft-Beer-Kneipe, die jedoch leider kaum Biere ­čŹ║ Italienischer Brauereien f├╝hrt, schade.

 

Felix

Ankunft im mir v├Âllig unbekannten, aber gar nicht so kleinem Camposampiero. Unterkunft in urigem Wirtshaus.